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- Irische Neujahrstraditionen - allen ein gutes Neues Jahr 2024
Irland ist, wie wir wissen, ein Land, das historisch mit vielen Mythen und Legenden gesegnet ist. Der Beginn eines neuen Jahres war und ist in Irland immer auch eine Zeit der Hoffnung. Hier 5 typisch irische Neujahrsbräuche. Wir wünschen allen ein wunderbares neues Jahr, möge es nur Gutes bringen! #1 Mit Brot an die Türen und Wände klopfen Mit diesem Brauch glaubte man das Pech aus dem Haus jagen zu können und gute Geister für das neue Jahr einzuladen. #2 Kohlen im Haus Man glaubt, wenn man Kohlen im Haus hat, dann wird man im neuen Jahr keine Armut bzw. keinen Mangel leiden. #3 Für Verstorbene Familienmitglieder den Tisch mitdecken An Neujahrsnacht decken Familien in ganz Irland einen Platz am Esstisch für diejenigen mit, die im Vorjahr verstorben sind. Gleichzeitig lässt man die Tür unverschlossen. #4 Federn oder Mistelzweig unters Kopfkissen des künftigen Partners Es wurde früher geraten, jener Person, die als zukünftiger Partner gedacht war, einen Mistelzweig oder eine Feder unters Kopfkissen zu legen. Das sollte dafür sorgen, dass der zukünftige Partner von einem träumen wird. #5 Wichtig, die Türen! An Silvester ist es empfehlenswert, das Haus durch die Vordertür zu betreten und durch die Hintertür zu verlassen. Das soll Glück bringen.
- Weihnachten in Irland und der Welt Der Irlandblog wünscht Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!
Weihnachtstraditionen, ob in Irland, im deutschsprachigen Raum oder woanders in der Welt - es gibt so viele von ihnen, wie Nadeln am Weihnachtsbaum. Die schönsten irischen Weihnachts-traditionen findet ihr hier und hier. Bevor wir Euch nun auch eine frohe Weihnacht und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünschen, haben wir noch 7 Fun Facts über Weihnachten für Euch, die ihr vielleicht noch nicht kennt ;-) 1 - Wo lebt Santa Claus? Das beliebteste Weihnachtspostamt des Weihnachtsmanns in Deutschland ist Himmelspfort, man kann natürlich auch nach Engelskirchen schreiben. Zusammen mit seinen fleißigen Helferlein beantwortet der Weihnachtsmann Jahr für Jahr die Wunschzettel der Kinder. Doch das offizielle Hauptpostamt des Weihnachtsmann liegt im finnischen Rovaniemi am Polarkreis. Rund eine halbe Million Briefe von Kindern aus der ganzen Welt erreichen Santa Claus dort pro Jahr. In Finnland wiederum glauben die Kinder daran, dass der Weihnachtsmann auf Korvatunturi in Lappland lebt. Wichtigster finnischer Tag der Weihnachtszeit ist wie in Deutschland der 24. Dezember, an diesem Abend gibt es auch Geschenke für die Kinder, die allerdings Wichtel oder auch Kobolde unter den Weihnachtsbaum legen. 2 - Jesus, bring bitte den Müll raus! In deutschen Familien wird man diese Aufforderung eher selten hören. Gerade einmal 390 Menschen namens Jesus lebten 1998 in Deutschland, wie eine Arbeit an der Universität Leipzig ergab. In Spanien und Portugal dagegen ist Jesus ein Allerweltsname. In Deutschland war Jesus als Vorname lange nicht zugelassen. 1996 entschied das Oberlandesgericht Bremen, dass ein nach südafrikanischem Recht erworbener und geführter Vorname „Frieden mit Gott allein durch Jesus Christus“ in das Familienbuch einzutragen sei. 1998 entschied das Oberlandesgericht Frankfurt auch im Hinblick auf internationale Gebräuche, dass Standesämter den Elternwunsch, einem Kind den Namen Jesus zu geben, nicht ablehnen dürfen. Auch bei biblischen Gestalten findet sich dieser Gedanke wieder: "Judas" oder "Satan" hingegen wurden beide abgelehnt. Rund 400 Menschen sollen in Deutschland Jesus heißen. Interessiert am Thema? Dann gehts hier weiter zum LTO-Quiz im Namensrecht 3 - Niederlande - Bescherung am Nikolaustag - in Spanien am Dreikönigstag Für die Niederländer ist in der Weihnachtszeit der wichtigste Tag bereits der Nikolaustag. Schon am Abend des 6. Dezember gibt es Bescherung – damit sind die Niederlande das einzige christliche Land, das schon so früh das Familienfest feiert. Spanische Kinder hingegen müssen bis zum 6. Januar auf ihre Geschenke warten. 4 - Geschenke am 26. Dezember und dann ab an den Strand Die Australier feiern bei hochsommerlichen Temperaturen unter Plastiktannen. Die Geschenke gibt's am 26. Dezember von Santa Claus durch den Kamin und dann geht's mit der ganzen Familie ab an den Strand. 5 - Merii Kurisumasu heißt es in Japan Heiligabend ist in Japan ein gewöhnlicher Arbeitstag – bei nur rund 1,5 Prozent Christen nicht weiter verwunderlich. Dennoch finden sich in Japan immer mehr Weihnachtsmänner und sogar auch Christbäume, einfach so, als Event. 6 - Feliz Navidad! Am 15. Dezember geht's los Für die Mexikaner geht es mit den Weihnachtsfeierlichkeiten bereits am 15. Dezember los, bei den sogenannten Posadas. Sie stellen die Suche Marias und Josefs nach einer Herberge dar, nachgestellt von Freunden, Familie und Nachbarn, die an der Haustür klingen. Dazu gehört auch, dass Pinatas zerschlagen und mexikanischer Fruchtpunsch getrunken werden. Geschenke gibt es erst am 6. Januar. 7 - Väterchen Frost und Enkelin Snegurochka (Schneemädchen) In Russland beschenken sich die Russen schon am Silvestertag gegenseitig. Da kommt Ded Moroz (Väterchen Frost) mit seiner Enkelin Snegurochka (Schneemädchen) und legt Geschenke unter den Tannenbaum. Die beiden leben in der Tundra. Ded Moroz ist naturverbunden und besitzt ein Zepter, welches bei Berührung alles erfrieren lässt. Er hat ebenfalls ein "offizielles“ Weihnachtspostamt, in Weliki Ustjug. So kann man persönlich an Väterchen Frost schreiben, und erhält sogar eine Antwort. Am 31. Dezember feiert man im familiären Kreis mit vielfältigem Essen und Sekt. Um Mitternacht gibt's Feuerwerk. Der Heilige Abend ist ganz dem Ende der Fastenzeit gewidmet - keine Geschenke also. Der Grund hierfür liegt im christlich-orthodoxen Glauben der russischen Christen. Orthodoxe Christen feiern ihre Feste nach dem Julianischen Kalender. Nollaig Shona Duit - Frohe Weihnachten allen Menschen und kommt gut ins Neue Jahr! Und wir alle wissen: Früher war mehr Lametta! In diesem Sinne, allen eine gute Zeit. Möge das neue Jahr uns allen nur Gutes bringen. Ich mache auch mal kurz Pause und 2024 geht's weiter. ;-)
- Weihnachten in Irland - schon gewusst? 5 schöne Weihnachtsbräuche - #2
In Irland gibt es wunderbare Weihnachtstraditionen. Einige kommen uns bekannt vor, doch es gibt auch richtig "irische", die man so nur auf der grünen Insel findet. Eine überaus herzerwärmende Tradition ist sicher die Late Late Toy Show, über die ich hier berichtet habe. Für viele Iren beginnt mit ihr Weihnachten. Überhaupt - wer in diesem Jahr Lust hat, Weihnachten ein wenig irischer zu gestalten, der ist hier genau richtig. Nebenbei verraten wir auch noch unsere Favoriten unter den irischen Weihnachtsliedern. ;-) 1 Schon gewusst? Stechpalmenkranz an der Tür In alter Zeit wuchsen in Irland Stechpalmen in Hülle und Fülle, so konnten auch ärmere Familien ihre Häuser schmücken. Mit der Zeit wurden Kränze populär, die man an die Vorderseite der Türen hängte. Stechpalmen mussten auch für andere Dekorationen wie z. B. Girlanden für den Kaminsims herhalten. Das Aufhängen eines Stechpalmenkranzes an der Haustür ist auch heute noch bei vielen Familien traditioneller Brauch. 2 Schon gewusst? Weihnachtskerze im Fenster Im Áras an Uachtaráin, dem Amtssitz des irischen Präsidenten brennt immer eine Kerze im Fenster, um alle Auswanderer Irlands daran zu erinnern, dass sie auf der Insel willkommen sind, und um ihnen den Weg nach Hause zu zeigen. Vor dem Hintergrund, dass Maria und Josef am Vorabend der Geburt ihres Kindes vergeblich eine Bleibe suchten, soll die Kerze im Fenster ein Signal für alle Reisenden sein, dass sie in diesem Haus willkommen sind. Es wird diskutiert, dass dieser irische Brauch auch etwas mit der Zeit der Penal Laws zu tun haben könnte und die Kerze Priestern signalisieren sollte, dass es ein sicheres Haus ist, in dem die Messe gefeiert werden kann. 3 Schon gewusst? Irische Weihnachtslieder Im Laufe des Dezembers trifft man häufig auf Weihnachtsliedersänger, sei es in einem Einkaufszentrum, im Stadtzentrum oder an der Haustür. Christmas caroling hat Tradition. Und wo wir gerade beim Thema sind: Das beliebteste Weihnachtslied der Iren ist immer noch "Fairytale of New York" von den legendären Pogues. Kein süßliches Stille Nacht, heilige Nacht und nicht die hundertste Version von I'm dreaming of a white Christmas. Nein, im 1987 entstandenen Fairytale of New York gehts rauh und herzhaft um einen in einer New Yorker Ausnüchterungszelle gestrandeten Iren, der sich trotz allem noch einen Hauch Hoffnung bewahrt. Wer auf Weihnachtsidylle steht, hört möglicherweise irritiert Textstellen wie diese: "You′re a bum, you're a punk, You′re an old slut on junk, Lying there almost dead on a drip in that bed, You scumbag, you maggot, You cheap lousy faggot, Happy Christmas your arse, I pray God it's our last." Wessen Englisch ein wenig eingerostet ist, hier geht's zu einer Übersetzung dieses ewigen Weihnachtsgassenhauers. Offenbar meinten einige britische Radiosender und MTV, den Text dieses Songs jüngeren Ohren nicht mehr ungefiltert zumuten zu können; sie zensierten den Song. Oh Jaysus! ;-) Kommen wir zu unseren Favoriten unter den irischen Weihnachtsliedern Bei uns zuhause ist es so, dass im Laufe unseres Lebens immer weitere Weihnachtslieder ihren Weg ins familiäre Repertoire fanden. Mein Vater stammt aus Tirol und so wurde ich mit österreichischer Stubenmusi groß, als wir in den USA lebten, gehörte plötzlich auch populäre US-Weihnachtmusik wie Christmas time is here zu unserem Liederkreis. Der Sohnemann studierte in England und prompt fanden viele klassische englische Christmas Carols den Weg zu uns. Tja, und seit wir in Irland leben, entdecken wir mit großer Freude die irische Weihnachtsmusik. Im letzten Jahr konnten wir uns besonders für Miss Fogarty's Christmas cake begeistern - allein der Text - herrlich! :-D Achtung, jetzt gibt's hier was auf die Ohren! Unsere Top Drei irischen Weihnachtslieder in diesem Jahr: Curoo, Curoo, Carol of the birds The Connemara Cradle Song The Kerry Christmas Carol Gerade der Kerry Christmas Carol spiegelt die irischen Weihnachtstraditionen sehr gut wieder. Der Text wird anfangs zitiert und ist auch auf Youtube zu lesen, wenn man auf "more" klickt. 4 Schon gewusst? Treffen mit Mr. & Mrs. Claus Ob im lokalen Einkaufszentrum oder auf Weihnachtsveranstaltungen - das Treffen mit Santa, auch gerne Santy (häufig in Begleitung von Mrs. Claus) gehört vor dem eigentlichen Fest bei vielen irischen Familien "zum Weihnachtsprogramm". Viele machen einen Ausflug daraus und verbinden ihn mit dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken für Freunde und Familie und sogar mit einem schönen Familienessen. Das Wichtigste: Die Briefe der Kinder an Santa mit ihren Wunschlisten - unbedingt mitnehmen! Viele Kinder schreiben ja schon Wochen vor Weihnachten Briefe mit ihren Wünschen an den Weihnachtsmann. Und sie wissen genau, was zu tun ist. Bei der irischen Post heißt es: "Orla und Dara, die kleinen Helferinnen des Weihnachtsmanns im Postamt, sagen: "Wir sind damit beschäftigt, all eure Briefe an den Weihnachtsmann in seiner Werkstatt am Nordpol zuzustellen. Alle Elfen arbeiten hart und verpacken Spielzeug und Geschenke, damit der Weihnachtsmann und seine Rentiere an Heiligabend ihre besondere Reise um die Welt antreten können. Adressiere den Umschlag an Santa Claus, The North Pole und verwende unbedingt eine Briefmarke in der oberen rechten Ecke des Umschlags. Schreibt mit Eurer besten Handschrift Euren Namen und Adresse in die linke obere Ecke des Umschlags und werft ihn in einen beliebigen grünen Briefkasten." Kurz danach gibts eine Antwort, entweder vom Weihnachtsmann selbst oder von seinen fleißigen Helfern bei An Post, der Irischen Post. Hier gibt's eine Wunschlistenvorlage von An Post. Kinder, die auf der vermeintlichen "Unartig"-Liste stehen bekommen zu Weihnachten statt der erhofften Geschenke einen Sack Kohle. Zwischen Mr. und Mrs. Claus herrscht übrigens eine klare Rollenverteilung. Er bringt die Geschenke und sie backt mit den Elfen Kekse, versorgt die Rentiere und geht ab und zu Mr. Claus bei der Spielzeugherstellung zur Hand. Weihnachtselfen sind im deutschsprachigen Raum nicht so häufig zu finden, doch in der Folkore der angelsächsischen Länder sind sie unentbehrliche Helfer des Weihnachtsmanns. Man erkennt sie an ihrer "Arbeitskleidung" ;-) Sie tragen grüne oder rote Anzüge, haben spitze Ohren und lange Mützen. In vielen irischen Haushalten stellt man Santa eine kleine Leckerei hin, oder auch ein Pint Guinness. Eine Möhre für die Rentiere ist sicher auch willkommen. Hier kurze Video-Eindrücke, was zu Weihnachten in den irischen Einkaufszentren selbst kleinster Städtchen los ist. ;-) 5 Schon gewusst - der Weihnachtshausputz? Eine weitere Tradition ist der große Weihnachtshausputz. Fenster putzen, Vorhänge waschen, alles blitzeblank und sauber - so ist das weihnachtliche irische Haus für die Freunde, Familie und den Weihnachtsmann bestens gewappnet. Nächste Woche dann die letzte Folge unserer Weihnachtsminiserie. Vom Weihnachtsschwimmen bis zur Zaunkönigsprozession, ihr erfahrt alles, was man über irische Weihnachtsbräuche wissen sollte. Nachtrag: Irland ist gerade auch zur Weihnachtszeit eine Reise wert, Dublin beispielsweise putzt sich in der Weihnachtszeit festlich heraus. Etliche Gebäude erstrahlen in magischem Winterlicht. Die Dublin Winter Lights sorgen von Ende November bis Anfang Januar für eine zauberhafte Atmosphäre. Wer einen "weihnachtlichen" Zoo erleben möchte, dem sei der Dublin Zoo mit seinen bunt strahlenden Tierfiguren ans Herz gelegt - mehr über den Zoo und Phoenix Park ist hier nachzulesen. Besonders romantisch und farbenfroh leuchtet es auch im Malahide Castle durch die Wonderlights.
- Irland mit dem Wohnmobil - Alles, was man wissen muss, von Blogger Tom
Eigentlich wollte ich heute einen Artikel über die Weihnachtstraditionen in Irland schreiben, doch dann kam mir unvermittelt ein sehr guter Artikel von Blogger Tom, dessen Blog ich bereits im Sommer vorgestellt hatte, in die Quere. ;-) So kann's gehen ... Tom hat sich mal wieder auf die Achse gemacht und hat dieses Mal Irland erkundet. Herausgekommen ist ein sehr informativer Artikel über alles, was es bei einem Irlandtrip mit dem Wohnmobil zu beachten gilt. Ihr erfahrt alles über Autobahnmaut, Fährpreise- und routen, Gewicht und Einstufung als LKW, Linksverkehr, Fahrtrichtung auf den Küstenstraßen, übers Freistehen und Stellplätze u.v.m. Das alles ist nicht nur informativ, sondern auch flott geschrieben und sehr gut recherchiert. Danke, Tom! Toms Blog wird sicher vielen weiterhelfen, nicht nur jenen, die überlegen, Irland mit dem (eigenen) Wohnmobil zu erkunden. Tom hat auch etliche andere Länder erkundet - der Blog lädt daher regelrecht zum Stöbern ein. Und wer sich mit dem Gedanken trägt, selbst ein Wohnmobil auszubauen, wird ebenso bei Tom fündig. Klasse, oder? :-D
- Weihnachten in Irland - schon gewusst? #1
Als wir nach Irland zogen, waren wir baff, dass uns Ende November geraten wurde, unbedingt im Fernsehen die Late Late Toy Show anzusehen. Und tatsächlich, am letzten Freitagabend im November, ab 21:30 Uhr, werden von Ballybunion bis Buncrana in Irland die TV-Sessel in die richtige Position gebracht, um zwei Stunden mit dem Studiopublikum zu genießen. Unser erster Eindruck seinerzeit: Schrille Pullover treffen auf hemmungslose Kinder mit ihrem Lieblingsspielzeug und auf fulminante Auftritte des Nachwuchses und ... stimmt, das muss man als Irlandfan einfach mal gesehen haben. Hier ein kleiner Eindruck: The late late toy show - eine irische Weihnachtstradition Ein früherer Moderator fasste es mal so zusammen: "Die Late Late Toy Show jemandem zu erklären, der nicht aus Irland kommt, ist eine der schwierigsten Aufgaben für jeden irischen Bürger, der etwas auf sich hält. (...) Es ist ein erwachsener Mann, der mit Spielzeug spielt, mit Kindern plaudert, während sie einige ihrer Lieblingssongs testen, und das Land für eine Nacht des Jahres in der Vorweihnachtszeit glücklich machen." Genauso ist es, und dabei so etwas von erfolgreich. Aber hallo! Die irischen Zuschauer in mehr als hundert anderen Ländern, darunter Honduras, Estland und Kuwait, lassen sich auch nicht lumpen und schalten über den RTÉ Player ein. Die Weihnachtszeit beginnt für viele Iren definitiv mit der Late Late Toy Show. Es ist die meistgesehene Sendung des Jahres, mit einem großen Einfluss auf den Verkauf von Spielzeugen und Geschenken und eine echte irische Weihnachtstradition. So, das hätten wir geklärt. Nächste Woche gibt's weitere Hinweise über weihnachtliche Sitten und Gebräuche auf der grünen Insel. Kommen wir jetzt zurück zu dem, was Kontinentaleuropäer vertraut erscheint: Ein kurzer Überblick über die bekanntesten und weniger bekannten irischen Weihnachtsmärkte Zwischen hölzernen Marktständen umherschlendern, Glühwein schlürfen, während Weihnachtsmusik in der frischen Dezemberluft erklingt - es gibt für viele kaum etwas Besseres, um die Weihnachtszeit beginnen zu lassen. Während für Kontinentaleuropäer die Auswahl an Weihnachtsmärkten schier überwältigend ist, hat sich der Besuch eines Weihnachtsmarktes in Irland erst in den letzten Jahren zu einer beliebten Weihnachtstradition entwickelt. Der älteste, bzw. am längsten bestehende Weihnachtsmarkt Irlands findet in Galway statt. Hier alle Infos über den Galway Christmas Market. Wer in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in Irland besuchen möchte, hat Galway vermutlich auf seiner Liste stehen. Er findet bereits seit 13 Jahren statt und ist vom 10. November 2023 bis zum 7. Januar 2024 geöffnet. Auf dem Eyre Square stehen über 50 traditionelle Holzhütten, und die Straßen sind wunderschön mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückt. Es gibt eine große Auswahl an gastronomischen Angeboten, natürlich Bratwurst und Glühwein, dazu ein Riesenrad, Karussell, die Weihnachtsmann-Grotte, Puppentheater, Geschichtenerzähler und Live-Auftritte. Wer auf traditionelle Weihnachtsmärke im deutschen/kontinentalen Stil steht, der sollte sich nach Belfast aufmachen. Die Holzhütten dort wirken sehr vertraut. Der Weihnachtsmarkt von Belfast ist heute eine der größten Winterveranstaltungen in Nordirland, die jedes Jahr von mehr als 1 Million Menschen besucht wird. Es wird dort Lebensmittel und Geschenkideen aus 32 Ländern der Welt geben. Crêpes aus Frankreich, belgische Pralinen, Riesenbratwurst, spanische Paella und Hug in a Mug Gluhwein vom Weingut Kochem aus dem Moseltal. Dazu noch ein historisches Karussell und viele Angebote für Kinder. Alle Infos hier. Ein weiterer beliebter Weihnachtsmarkt ist Waterford Winterval. Er bietet wirklich für jeden etwas. Nicht verpassen sollte man die Winterval Illuminationen. Eine riesige Leinwand auf dem Arundel Square wird mit einer 3D-Projektionsshow beleuchtet, während Musik erklingt. Die Show findet jede halbe Stunde von 17:00 bis 20:00 Uhr statt. Die Kinder werden es lieben, ebenso den Glow Garden, bei dem die Gärten der New Street mit Tausenden von Lichtern beleuchtet werden. Außerdem gibt es eine kostenlose Wikinger-Elfenjagd, ein Wikingerdorf von Deise Medieval, Geschichtenerzähler und vieles mehr. Auf dem Glenveagh-Weihnachtsmarkt, dem Garter Lane Arts Centre und dem Waterford Crafts Market sind über 100 Hersteller von Lebensmitteln, Kunsthandwerk und Getränken in Holzhütten im Innen- und Außenbereich vertreten. Zuviel genascht? Dann bietet sich gleich darauf ein längerer Spaziergang auf dem Waterford Greenway an oder die Eislaufbahn. Außerdem gibt es jedes Wochenende Live-Musik auf der Bühne und in der Kathedrale finden in der Regel Weihnachtskonzerte statt. Weitere Infos hier. Cork ist an sich schon eine lebhafte Stadt, doch zur Weihnachtszeit steppt dort offenbar so richtig der Bär. In diesem Jahr gibt es in Cork City ein völlig neues Erlebnis, das "Corkmas" genannt wird. Das Riesenrad bleibt bestehen, aber auf dem Emmet Square gibt es jetzt die Lichtshow "Solas". Außerdem gibt es in diesem Jahr den ausgezeichneten Maria Market mit zahlreichen Veranstaltungen; die Talente lokaler Musiker, Sternsinger und Kunsthandwerker tragen zu Corks lebhafter Atmosphäre bei. An den Wochenenden vor Weihnachten kann man ein visuelles Spektakel genießen, bei dem Geschichten mit Trommlern, Tänzern und reizenden Figuren zum Leben erweckt werden, mit Darbietungen von lokalen und internationalen Künstlern und Straßenkünstlern, oder mal eine Runde auf dem Riesenrad drehen, das einen Panoramablick auf die pulsierende Stadt bietet und bis zur ersten Januarwoche geöffnet ist. Weitere Infos hier. Der Weihnachtsmarkt im Dubliner Schloss ist einer der wenigen Weihnachtsmärkte, die in den letzten Jahren durchgängig stattgefunden haben. Im historischen Innenhof des Dubliner Schlosses werden mehr als 25 traditionelle Stände mit dekorativem Kunsthandwerk und inspirierenden Geschenkideen zu finden sein. Es gibt traditionelle Speisen, die von handwerklichen Erzeugern verkauft werden. Für Kinder gibt es auch ein historisches Karussell vor Ort. Alle Infos hier. Das Yulefest Kilkenny 2023 begann am 25. November mit der Ankunft des Weihnachtsmanns in der Stadt und dem Beginn des Yulefest-Weihnachtsmarktes. Die Besucher des diesjährigen Festivals können sich auf festliche Leckereien, kreatives Kunsthandwerk, Live-Musik und Familienunterhaltung auf dem Weihnachtsmarkt am Wochenende freuen. Besondere Veranstaltungen an jedem Wochenende, siehe Infos hier. Und last but not least, ein neuerer Weihnachtsmarkt ist der kleine Wicklow-Weihnachtsmarkt. Es gibt einen Santa Express und eine Eisbahn, Jahrmarkt, Kunsthandwerkerstände, Essen und vieles mehr. Weitere Infos hier.
- Was Irland-Fans über die heimliche Nationalhymne Irlands wissen sollten
Wenn sich Irlands Rugby-Fans mit ihren Drinks und Snacks für den World Cup bereit machen, wundert sich so mancher, dass das irische Rugby Team bei Auswärtsspielen nicht die Nationalhymne singt. Warum ist das so? Hier eine erste kurze Erklärung. Jetzt könnte man sagen Ireland's Call ist doch nur ein Lied, oder? Vierzeilige Strophe, vierzeiliger Refrain, Tonartwechsel, wieder vierzeiliger Refrain. Schulter an Schulter und so ... keine große Sache. Außer, dass es eben doch eine große Sache ist! Und was für eine! Hier die ganze Geschichte: Einen Monat vor der Fußballweltmeisterschaft 1987 tötet eine IRA-Bombe Lord Justice Maurice Gibson. Von der Explosion betroffen sind auch Nigel Carr, Philip Rainey und David Irwin, die auf dem Rückweg von einem Training vor der Rugby-Weltmeisterschaft in Dublin waren. Nigel Carr hat danach nie wieder Rugby gespielt, was einen Monat später ein Problem ist, denn er war einer der besten Spieler und musste nun seine Karriere wegen einer IRA-Bombe beenden. The Soldier’s Song, die Nationalhymne wird als definitiv nicht mehr passend empfunden, aber was tun? Warum Irlands Nationalhyme unpassend erscheint Seit Jahrzehnten gibt es in Irland eine lebhafte Debatte über die Nationalhymne und zahlreiche Aufforderungen an den Premier und den Präsidenten, sie zu ändern. Der Text, mit seinen Bezügen zu Gewehren, Kämpfen und donnernden Kanonen passe einfach nicht mehr in die Zeit und unterlaufe die Friedensbemühungen in Nordirland, lautet die Argumentation. 1987 - zur Eröffnung des Rugby World Cups in Australien und Neuseeland greift man zunächst ratlos auf die irische Ballade Rose of Tralee zurück. Dann, 1995, gibt die Irish Rugby Football Union (IRFU) ein Lied als Alternative zur Hymne der Republik in Auftrag, um den Spielern und Fans aus Nordirland entgegenzukommen, die tendenziell einen unionistischen Hintergrund haben. Phil Coulter, der in Derry geborene Songwriter von Puppet on a String, einem Song, mit dem Sandie Shaw immerhin barfuß 1967 für die Briten den Eurovision Song Contest gewinnt, sagt über Ireland's Call: "Man möchte, dass der Song den Norden und den Süden mit einbezieht, aber man möchte das auch nicht auf zu krasse Weise zum Ausdruck bringen. Musikalisch wollte man einen Song, der von den Leuten im Stadion sofort verstanden wird, also darf er nicht zu kompliziert sein. Er sollte zugänglich, mitreißend und wiedererkennbar sein. Das waren die Kriterien, die es zu erfüllen galt. Der knifflige Teil bei einem solchen Song ist der Text. Das war der schwierigste Teil, den ich herausfinden musste. Man will die Botschaft nicht zu offensichtlich rüberbringen. Daher kam die Idee mit den vier stolzen Provinzen Irlands. Das bringt es auf den Punkt, ohne dass es darum geht, dass der Süden sich dem Norden und der Norden sich dem Süden anschließt und wir uns alle die Hände reichen“, sagt Coulter über Ireland’s Call. Ireland's call - mal reinhören? Die Hymne, die Irland endlich eint Im Laufe der Zeit verschmilzt das Lied allmählich mit dem Bewusstsein der Insel. Es reist um die ganze Welt, nimmt an fünf Rugby- und zwei Kricket-Weltmeisterschaften teil. Es wird von den Hockey-Nationalmannschaften der Männer und Frauen sowie von der irischen Rugby-Liga-Mannschaft übernommen. Im Motorsport wurde es vom Team Ireland für die kurzlebige A1-Grand-Prix-Serie verwendet. Tatsache ist – es ist inzwischen mehr als nur ein Rugby-Song. Als die irische Kricketmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2007 Pakistan am St. Patrick's Day besiegt, erschüttert sie mit Ireland’s Call die Wände der Umkleidekabine im Sabina Park. Seitdem ist es Tradition, dass sie es nach einem Sieg in der Umkleidekabine singen. Die Hockeyteams hatten in der Vergangenheit Londonderry Air, auch bekannt als Danny Boy, gesungen, wechselten aber im Jahr 2000 ebenfalls zu Ireland's Call. Und sogar Sinn Féin könnte sich dafür erwärmen, die Flagge und Hymne zu ändern, heißt es. In weiser Voraussicht hat Coulter bei Ireland‘s Call auf ein Reiz-Wort wie „vereinigt“ verzichtet. Stattdessen werden vier stolze Provinzen genannt, die „gemeinsam aufrecht stehen, Schulter an Schulter“. Passiv-aggressives Audio-Waterboarding? Doch es gab und gibt auch Kritik. „Passiv-aggressives Audio-Waterboarding“, kommentiert die Irish Times die neue „Hymne“. Der Text von Ireland's Call fordere die Iren auf, vor jedem Rugbyspiel „Schulter an Schulter“ aufzustehen; doch viele würden lieber sitzen bleiben, spotten andere. Pat Coogan, einer der führenden irischen Kommentatoren fordert die irische Rugby-Behörde auf Ireland‘s Call sofort abzuschaffen. Die Hälfte der Spieler scheine nicht mitzusingen, oder wenn, dann murmeln sie ohne erkennbare Überzeugung vor sich hin, klagt er. Überhaupt, so Coogan, frage er sich, ob sie den Text überhaupt kennen? Schulter an Schulter stehen sie vielleicht, aber nicht auf den Song, nicht auf Ireland‘s Call. Und verdammt, wer hat dieses Lied überhaupt in den Rugby-Spielplan eingeschleust? Im Dubliner Aviva Stadion stimmen die Zuschauer mit dem Kehlkopf ab Coogan zitiert den ehemaligen irischen Nationalspieler Trevor Brennan, der eine Wiederherstellung von Amhran na bhFiann („Soldier‘s Song“) fordert. Die Nationalhymne sei tief in der irischen Gesellschaft verwurzelt. Wenn wir in unseren Inselbeziehungen an einen Punkt gelangt sind, an dem God Save The Queen im Croke Park gesungen und (zu Recht) mit Respekt gehört werden kann, dann sollte Amhran na bhFiann (Soldiers Song) in Twickenham gesungen werden.“ Das Blatt scheint sich jedoch längst mit dem Zeitgeist gewandelt zu haben. Angesichts wachsender Spekulationen über ein vereinigtes Irland, schreibt die Irish Times über Ireland‘s Call, es sei „ein edles Beispiel für die Kompromisse, die ein vereinigtes Irland mit sich bringen würde.“ Im Dubliner Aviva-Stadion würden die Zuschauer mittlerweile mit ihrem Kehlkopf abstimmen, sagt Komponist Coulter. 2007 ist der Durchbruch geschafft. Im Dubliner Croke Park stehen sich Irland und England in einem Rugby-Spiel gegenüber. Ein Stadion mit strammer irisch-republikanischer Geschichte. Respektvolles Schweigen, als God save the Queen ertönt, inbrünstiger Gesang für die irische Nationalhymne Amhrán na bhFiann und dann aus vollen Kehlen: Ireland‘s Call. Ein Jahrzehnt später denken einige Leute „immer noch, dass es ein Stück Scheiße ist“, aber die Geschichte scheine auf seiner Seite zu sein, sagt Coulter. „Es ist das einzige Lied, das die Tatsache anerkennt, dass das irische Rugbyteam die ganze Insel ausmacht, im Norden wie im Süden“, fügt er hinzu. Die irische Rugby-Mannschaft sei eine der wenigen Dinge, die seit über 150 Jahren „in Einheit und Solidarität auf dieser Insel" bestehen. Das, nicht mehr und nicht weniger, sollten Irland-Fans vielleicht über die heimliche Nationalhymne Irlands wissen. Millionen Iren werden am 7. Oktober 23, 20 Uhr irischer Zeit, im Spiel Irland gegen Schottland mitfiebern. Also, Daumen drücken und fingers crossed! Wer auch singen möchte, hier ist der Text. Quellen https://www.thesun.ie/tvandshowbiz/music/4658338/phil-coulter-irelands-call-hate-mail/ https://www.thesun.ie/sport/rugby-union/8315680/what-are-the-lyrics-to-irelands-call-rugby-anthem/ https://www.irishtimes.com/sport/rugby/ireland-s-call-standing-tall-for-20-years-1.2085759 https://www.irishtimes.com/sport/rugby/ireland-s-call-standing-tall-for-20-years-1.2085759 https://www.theguardian.com/world/2019/aug/10/irelands-call-derided-rugby-dirge-song-for-unity-irish-anthem https://rugbydome.com/irelands-call/
- Buchvorstellung: Irland wie es nicht im Reiseführer steht
Bitte mal den Reisepass holen! Sofern ihr einen EU-Pass habt, schaut mal auf der allerersten Seite nach. Dort seht ihr "tAontas Eorpach". Ja, ich weiß, damit kann man beim Scrabble keinen Blumentopf gewinnen, aber ihr wisst jetzt, wie die Europäische Union in der irischen Landessprache heißt. Warum schreibe ich das? Vielleicht, weil ich heute "Irland wie es nicht im Reiseführer steht" vorstellen möchte. Um was geht es in "Irland wie es nicht im Reiseführer steht"? Auf 250 Seiten - gegliedert von A bis Z - ist Kurioses, Skurriles, Lustiges, bis dato wenig Bekanntes über Irland zu lesen. Dazu jede Menge Fun-Facts. Nach der Lektüre weiß der Irlandkenner, dass es in Connemara einen Maharadscha gab, warum die Iren sich den Choctaw-Indianern verbunden fühlen, was Lynchen mit Galway zu tun hat, dass unter dem Decknamen Operation Grün eine deutsche Invasion Irlands geplant war und vieles mehr. Was sagen Leser/-innen über das Buch? "Irland ist bei vielen als Reiseland beliebt, auch weil es oft so erfrischend anders als andere Urlaubsziele ist. So ist auch dieser Nicht-Reiseführer. Alle Daumen hoch! Erfrischend anders, charmant, locker und amüsant fördert die Autorin bislang Unbekanntes, Lustiges und Unerwartetes über Irland und die Iren zutage. Unbedingt lesen und dann ab nach Irland!" "Das Buch ist übersichtlich, von A bis Z, strukturiert. Somit findet man die Textstellen mit all ihren erstaunlichen und unerwarteten Geschichten und Fakten über die Insel schnell wieder. Es sind Dinge, die man zum Teil vielleicht nicht zu wissen braucht, die aber einfach Spaß machen (Man erfährt z.B., was ein gewisser Captain Bligh, der den Meisten von der Meuterei auf der Bounty" geläufig sein dürfte, für Dublin getan hat. Und dass Arthur Guinness junior ernsthaft einen Pachtvertrag am Dubliner St. Jame's Gate mit einer gewagten Laufzeit von 9000 Jahren abgeschlossen hat.)." "Die kurzen Erzählungen bleiben gut im Gedächtnis haften und man kann somit bei der Erkundung des Landes leicht Verknüpfungen herstellen (neben unterhaltsamen Fun-Facts bekommt man ein gutes Gefühl dafür, "wie das Land tickt"). Von meiner Seite eine klare Empfehlung - auch als Lektüre bereits vor der Reise!" Weitere Lesermeinungen hier :-) Blogger Tom hat sich auf seinem Blog acht Irland-Reiseführer plus einen Irland-Reisebegleiter, der eben kein Reiseführer sein soll ;-) zur Brust genommen und verglichen. Herausgekommen ist dabei ein munter formulierter und präziser Vergleich bzw. seine "Empfehlung der 8 besten Irland Reiseführer 2023 für Wohnmobiltour, Wanderschaft, Bildungsreise oder einem Abend am Kamin", wie er schreibt. Das Ergebnis seiner Recherche findet Ihr hier: Demnächst gibt es gerne auch Antworten auf Fragen wie: Wer schreibt hier eigentlich und warum? Wo und wie entstehen die Blogartikel? Wer macht die Fotos? Ihr könnt mir gerne Fragen stellen - nur zu! ;-)
- Irland - Das Massaker von Gibbet Rath
Der Curragh im County Kildare. Eine idyllische Ebene mit friedlich grasenden Schafen. Nichts deutet darauf hin, dass hier eines der schlimmsten Massaker in Irland stattgefunden hat. 350 unbewaffnete Menschen wurden hier niedergemetzelt. Wie kam es zu diesem furchtbaren Blutbad? Blenden wir zurück ins Jahr 1798, dem Jahr der großen irischen Rebellion. Thomas Pakenham schreibt in seinem Buch The Year of Liberty: "Der Aufstand von 1798 ist das gewalttätigste und tragischste Ereignis in der irischen Geschichte zwischen den Jakobitenkriegen und der großen Hungersnot. Innerhalb weniger Wochen wurden 30.000 Menschen - mit Piken und Heugabeln bewaffnete Bauern, wehrlose Frauen und Kinder - niedergemetzelt, erschossen oder wie Spreu in die Luft gejagt, als sie auf die Kanonenmündungen zustürmten. Das Ergebnis des Aufstands war nicht minder verheerend: Großbritannien erzwang eine Union zu Bedingungen, die sich für die Mehrheit des irischen Volkes als inakzeptabel erweisen sollte, und es entstand ein Vermächtnis von Gewalt und Hass, das bis heute anhält." Rebellion in County Kildare Mittwochabend, der 23. Mai 1798, in der Grafschaft Kildare herrscht eine beunruhigende Ruhe. Das Wetter ist, wie für den Rest des Sommers in diesem Jahr, ruhig und gut, ein fast absichtlicher Widerspruch zu der äußerst aufgeladenen politischen Atmosphäre im Land. Die Menschen fangen an, sich an vorher festgelegten Orten zu versammeln, um den geplanten Volksaufstand zu unterstützen. Sie kommen zusammen, um ihre Beschwerden zu äußern - persönliche, wirtschaftliche, politische, religiöse, nationale; ein reiches Sammelsurium von Zielen und Bestrebungen, die von den United Irishmen in der Sprache der Französischen Revolution interpretiert werden - es ist ein Schrei nach Freiheit. Ein Schrei für die Emanzipation der Katholiken und die Reform des Parlaments, für die Abschaffung des Zehnten und den Schutz vor den Oraniermännern, um den Franzosen treu zu sein und die Exzesse des Militärs zu vermeiden; für die Rache, für die Freiheit der Nationalität. Noch in dieser Nacht werden sie sich erheben. Sie hatten ihre Anweisungen erhalten und nun kommen sie, mit ihren Spießen, für die sie einen Schilling bezahlt hatten, eigens für diesen Zweck geschmiedet und auf fast drei Meter langen Stangen montiert. Mit ihren Schwertern, Bajonetten und Gewehren, die sie zumeist aus den Häusern der örtlichen Grundbesitzer gestohlen hatten, mit ihren Heugabeln und allen anderen Waffen, die sie auftreiben konnten, versammen sie sich in Furcht und Erwartung. Eine Armee von Iren, geeint für den Kampf um die Freiheit. Die Rebellen erobern eine Reihe von Städten im Gebiet von Kildare und halten die Regierungstruppen über eine Woche lang in Schach, bevor sie mit Generalleutnant Sir Ralph Dundas, dem Befehlshaber der Midland District Militia, günstige Bedingungen für die Kapitulation aushandeln. Am 28. Mai übergibt eine große Anzahl der Aufständischen, die sich auf dem Knockawlin Hill verschanzt haben, General Dundas ihre Waffen, unter der Bedingung, dass sie sich friedlich in ihre Häuser zurückziehen dürfen. Drei Tage später versammelt sich eine weitere große Gruppe auf ausdrückliche Vereinbarung mit demselben menschlichen Befehlshaber zum gleichen Zweck am Gibbet-Rath im Curragh. Doch die Dinge verlaufen nicht so wie es den Männern zugesagt wurde. De facto laufen sie geradewegs in die Katastrophe. Chronologie der tragischen Ereignisse Zu ihrem Unglück wird Dundas abberufen, bevor er die Kapitulation annehmen kann. Stattdessen trifft General Sir James Duff, ein skrupelloser englischer Offizier, mit seiner Armee ein, zu der auch ein Regiment gehört, das als Roden's Foxhunters bekannt war und von Viscount Jocelyn angeführt wurde. Am 27. Mai verlässt Generalmajor Sir James Duff Limerick, um die Verbindungslinien nach Dublin zu öffnen. Duffs Truppen treffen in den frühen Morgenstunden des 29. Mai in Monasterevin, Co. Kildare ein. Zusammen mit der örtlichen Yeomanry marschiert Duff mit 7 Geschützen, 150 Dragonern und 350 Infanteristen in Richtung Kildare, "entschlossen, an den Rebellen ein schreckliches Exempel zu statuieren". Von Kildare aus marschieren sie zum Lager der Rebellen bei Gibbet Rath im Curragh, wo die Rebellen mit General Dundas über eine Kapitulation verhandeln. Pater O'Farrell aus Kildare trifft in Gibbet Rath ein, um für die Rebellen zu intervenieren; wird jedoch vom berittenen Black Horse Regiment des werten General Duff kurzerhand niedergesäbelt. 29. Mai 1798 - 350 unbewaffnete United Irishmen werden grausam und heimtückisch ermordet Als Duff am Morgen des 29. Mai in Gibbet Rath eintrifft, wartet eine Armee von 1.000 bis 2.000 Rebellen darauf, sich im Gegenzug für die ihnen versprochene Amnestie zu ergeben. Doch Duff beschuldigt sie des Verrats und befiehlt ihnen, sich für die Begnadigung niederzuknien und dann ihre Waffen zu stapeln. Duff und seine Truppen umzingeln sie. Zu den Truppen gehören u.a. auch die berüchtigten "Rodens leichte Dragoner oder Fuchsjäger". In Berichten aus Kildare Town heißt es, am Vorabend des Massakers, seien einige von Rodens Miliz in randalierendem und betrunkenem Zustand mit aufgesteckten Bajonetten durch die Straßen marschiert und hätten geschworen: "Wir sind die Jungs, die morgen am Curragh die Croppies abschlachten werden". Das hielt viele Rebellen davon ab, in den Curragh zu gehen. Allein dieser Umstand rettet viele Menschenleben. Duff befiehlt seiner Armee, "anzugreifen und keinen Rebellen zu verschonen". Kurz nachdem die Waffen gestapelt sind und die Männer niederknien, greift seine Infanterie und Kavallerie die wehrlosen Männer an. Über 350 irische Freiheitskämpfer sterben. Duff bestreitet den Vorsatz und behauptet, einer der Rebellen habe auf seine Männer geschossen; andere Quellen berichten, ein Mann habe in die Luft geschossen und hätte sein Gewehr nicht stapeln wollen. Viele Iren damals geben zu Protokoll, dass Morden die Lieblingsbeschäftigung der englischen Milizen war. Fakt ist, in Kildare ergaben sich schließlich 7.889 Iren, an abgegebenen Waffen werden 192 Gewehre, 6 Donnerbüchsen, 192 Bajonette, 121 Pistolen, 201 Schwerter und 1.582 Spieße gelistet. Zu den Faktoren, die den Aufstand in Irland auslösten, gehörten religiöse Diskriminierung, der Einfluss französischer und amerikanischer Ideen, eine schnell wachsende Bevölkerung im eigenen Land, Unruhen in der Landwirtschaft und staatliche Repressionen. Mehr als 90 % des Landes befanden sich im Besitz der Church of Ireland und waren englischer Herkunft. Die große Mehrheit der Bevölkerung war vom politischen Leben ausgeschlossen, darunter die Katholiken, die den größten Teil der Bauernschaft ausmachten, die Mittelschicht aller Konfessionen und die Presbyterianer. Leinster und Ulster - Carlow, Meath, Wicklow, Wexford, Antrim und Down Doch nicht nur in Kildare erheben sich die Iren. Überall wächst der Widerstand. Mutmaßliche United Irishmen werden am 24. Mai auf dem Fair Green in Dunlavin und am folgenden Tag auf dem örtlichen Ballhaus in Carnew erschossen. Im Video: Vinegar Hill, Co. Wexford - Enniscorthy In Carlow und Hacketstown kommt es zu verlustreichen Angriffen der Rebellen; in Meath wird die Verschwörung mit einer schweren Niederlage auf dem Hill of Tara niedergeschlagen, während sich der Konflikt auf Wicklow und Wexford ausweitet. In Wexford beginnen die Zusammenstöße bei Tincurry und Harrow mit einem erbitterten, blutigen Kampf, der mit der Gründung einer irischen Rebellenrepublik in Wexford Town und der entscheidenden Niederlage der Rebellen am 21. Juni in der Schlacht von Vinegar Hill (Video) seinen Höhepunkt findet. Die Rebellen unter Pater John Murphy kämpfen sich bis nach Carlow, Kilkenny und Laois vor, finden aber zu wenig lokale Unterstützung und kehren nach Wexford zurück. Pater Murphy wird gefangen genommen und am 2. Juli in Tullow hingerichtet. Die Reste der großen Wexford/Wicklow-Armee unter der Führung von Pater Mogue Kearns und Anthony Perry marschieren von Wicklow aus, um sich Aylmers Armee in Kildare anzuschließen und schließlich den Norden aufzurütteln. Doch die erste gemeinsame Aktion endet mit einer verheerenden Niederlage bei Clonard, und die meisten der Kildareaner, die sich ihnen anschlossen, kehren nach Hause zurück, um sich zu ergeben. Perry und Kearns werden in Edenderry gehängt. Einige Rebellengruppen führen in den Wicklow Mountains unter Michael Dwyer und Joseph Holt eine Guerilla-Kampagne durch; andere kämpfen mit Robert Emmet in der Rebellion von 1803, darunter Rebellen aus Lullymore in der Grafschaft Kildare unter Michael Doorly. Anfang Juni bricht auch in Antrim und Down eine Rebellion aus. Henry Joy McCrackens überwiegend presbyterianische Armee wird nach einem Angriff auf die Stadt Antrim aufgerieben. In Down werden die United Irishmen unter der Führung von Henry Monroe in der Schlacht von Ballynahinch am 13. Juni dezimiert. Der Aufstand in Ulster ist damit beendet. Als die irische Rebellion ausbrach, beteiligten sich dreißig- bis fünfzigtausend Männer an einer Reihe von Aufständen in achtzehn irischen Grafschaften, von denen sechs stark betroffen waren. Nach Angaben der Loyalisten belief sich der Sachschaden auf mehr als eine Million Pfund, wobei der größte Teil davon in Kildare, Wexford und Wicklow entstand. Es wird geschätzt, dass während des Aufstands bis zu zwanzigtausend Menschen getötet wurden. Nach der Rebellion bleibt die politische Initiative fest in den Händen des Establishments. Noch sind die Iren nicht am Ziel, aber ihre Zeit wird kommen. Quellen: https://kildarelocalhistory.ie/a-brief-history-of-co-kildare/1798-rebellion/rebellion-towns-villages/gibbet-rath/ https://kildarelocalhistory.ie http://www.curragh.info/landmarks/rath.htm https://kildareheritage.com/gibbet-rath-and-the-priests-grave/ https://www.nationalarchives.ie/topics/1798/1798.pdf The Curragh - A Lifetime of Memories 1997, Jim Kavanagh
- Irlands Maynooth - Stadt der Heiligen und Gelehrten
Die Universität und das Priesterseminar von Maynooth, Juwelen in der Krone der Grafschaft Kildare, sind nicht nur ein Genuss für jeden Besucher, sondern – wie könnte es anders sein - haben auch eine faszinierende Geschichte. Kildare, eine der elegantesten Grafschaften Leinsters, hat viele Juwelen in ihrer sprichwörtlichen Krone - die Japanischen Gärten, das irische Nationalgestüt, den Donadea Forest Park und Castletown House. Doch nur wenige strahlen so hell wie die geschäftige Stadt Maynooth. Was viele nicht wissen: das Irland, das wir heute kennen, wurde sehr stark von Ereignissen geprägt, die sich vor langer Zeit genau hier in der Stadt Maynooth abgespielt haben. Maynooth Castle – eine beliebte Touristenattraktion Irlands 30 km von Dublin entfernt, schlummert die Burgruine aus dem 13. Jahrhundert unmittelbar am Eingang zum Südcampus der Maynooth University. Einst an der Kreuzung zweier Bäche erbaut, war sie der Sitz der Familie Fitzgerald. Jene Fitzgeralds, die später als Grafen von Kildare eine der mächtigsten Familien Irlands wurden. Heute ist die Burg irisches Kulturerbe. Eine Ausstellung über die Geschichte von Maynooth Castle und die Familie Fitzgerald ist im Besucherzentrum zu sehen. Kurzer Ausflug in die irische Geschichte Wir reisen kurz zurück ins 16. Jahrhundert. Am besten kann man die damalige englische Regierungsform begreifen, wenn man sich drei Einflusszonen vorstellt. In England herrschte der englische König, dies ist die innere Zone. Weiter westlich auf der anderen Seite des Meeres in Irland, in dem Gebiet, das Nord-Kildare und Ländereien nördlich und südlich, aber nicht sehr weit westlich umfasst, haben wir eine Art Pufferzone – Pale genannt. Hier regierte Lord Deputy Fitzgerald im Namen des englischen Königs. Es war eine Art Franchise, bei der Fitzgerald die Marke und die Autorität der englischen Monarchie nutzen, aber weitgehend frei nach eigenem Gutdünken regieren konnte. Die äußere Zone umfasste den Rest Irlands außerhalb der Pale-Zone, im Grunde den Wilden Westen, der von den lokalen irischen Clans regiert wurde. Je stärker die Fitzgeralds wurden, desto brüchiger wurden ihre Beziehungen zum englischen König. Eine Verkettung unglücklicher Ereignisse führte schließlich zu einem entsetzlichen Ende. Die Zeit der Fitzgeralds auf der Burg endete mit der Rebellion von Thomas Fitzgerald (Silken Thomas). Eine englische Streitmacht beschoss die massive Burg im März 1535, wobei die schweren, modernen Belagerungsgeschütze der englischen Armee den größten Teil des mittelalterlichen Gebäudes in Ruinen verwandelten. Die Burg fiel nach 10-tägiger Belagerung und die Garnison wurde in der Folge samt und sonders vor dem Burgtor hingerichtet. Kurz danach konnte man Silken Thomas gefangen nehmen. Zusammen mit seinen fünf Onkeln brachte man ihn in den Tower of London. Am 3. Februar 1537 wurden sie in Tyburn wegen Hochverrats hingerichtet Wie konnte es dazu kommen? Fehler Nummer 1: Der englische König Henry lag wegen der geplanten Annullierung seiner Ehe mit dem Papst in Streit. Die katholischen Fitzgeralds waren nicht begeistert und Henry lässt Gerald nach London in den Tower bringen. Wie loyal stehen die Fitzgeralds noch zur englischen Krone? Vorsichtshalber übertrug Gerald vor seiner Abreise das Amtsschwert auf seinen Sohn Thomas. Fehler Nummer 2: Thomas, auch bis dato bereits ein Unglücksrabe, glaubt den Gerüchten, sein Vater Gerald sei vom König hingerichtet worden. Wutentbrannt sammelt Thomas ein Söldnerheer und reitet nach Dublin, um das Staatsschwert niederzulegen und sich von der englischen Krone loszusagen. Fehler Nummer 3: Der englische König ist ebenso wutentbrannt und schickt eine Armee. Jetzt gerät alles außer Kontrolle. Die anderen normannischen Barone halten sich bedeckt und unterstützen Silken Thomas nicht. Schlimmer noch, seine Wachen verraten ihn. Das Maynooth Castle fällt in die Hände der Engländer. Thomas kapituliert und hofft auf gute Behandlung, die man ihm wohl versprochen hatte. Daraus wird nichts. Thomas und seine fünf Onkel werden in London gehängt. In der Nacht, bevor Thomas sich stellt, soll er sich ein letztes Mal unter einen Eibenbaum gesetzt und Laute gespielt haben, siehe „der älteste Baum Irlands – Silken Thomas Yew“. Wie kam Thomas zu seinem Spitznamen „Silken Thomas“? Thomas Fitzgerald, der zehnte Earl of Kildare, wurde wegen seiner extravaganten Kleidung und der Seidenquasten an den Uniformen seiner Leibwächter auch Silken Thomas genannt. Man könnte ihn aber besser als "Kalamity Thomas" bezeichnen, da vieles, was er tat ungeschickt, verwirrend und von Unglück geprägt war. Der älteste Baum Irlands Auf dem Campus des Maynooth College steht noch immer eine Eibe, die zur Zeit der Kreuzzüge gepflanzt worden sein soll, den Hundertjährigen Krieg, den Fall von Konstantinopel, die Renaissance, die Reformation, das Zeitalter der Aufklärung und die Entstehung der Neuzeit überlebt hat. Das Tree Council of Ireland hat diese Eibe zum ältesten einheimischen Baum Irlands erklärt. Die als Silken Thomas Yew bekannte Eibe ist die letzte einer Eibenreihe, die zur Zeit des Baus von Maynooth Castle im 12. Jahrhundert gepflanzt worden war. Wie ging es mit den Fitzgeralds weiter? Man könnte meinen, das sei das Ende der Fitzgeralds of Kildare gewesen. Tatsächlich wurden ihre Ländereien und Titel aber nur eine Generation lang beschlagnahmt. Einige Jahre später tauchen die Fitzgeralds wieder auf, vollständig rehabilitiert und wieder in der Gunst eines neuen englischen Königs. Wie die älteste Eibe wachsen und gedeihen sie weiterhin prächtig in den Ebenen um Maynooth. Im 17. Jahrhundert wird das Maynooth Castle restauriert. George Fitzgerald, 16. Graf von Kildare zieht ein. Doch bereits wenige Jahre später fällt das Castle dem elfjährigen Krieg zum Opfer. Nur das Torhaus, an dem man heute noch die vereinigten Wappen der Boyles (Earl of Cork) und der Fitzgeralds sehen kann und der Solar Tower blieben erhalten. Nun verlassen die Fitzgeralds Maynooth Castle endgültig. Kilkea Castle wird zunächst ihr Familiensitz, später lassen sie das nahegelegene Carton House zu einem prächtigen Landsitz ausbauen; von da an Sitz des Herzogtums Fitzgerald von Leinster. Irlands Maynooth College – einst das größte Priesterseminar der Welt Wenn man über den ruhigen und malerischen St. Joseph's Square schlendert, kann man sich kaum vorstellen, wie sehr um dieses Priesterseminar gekämpft wurde. Aufgrund der strengen Strafgesetze waren die katholischen Priester Irlands 200 Jahre lang gezwungen, ihre Ausbildung an Hochschulen in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und den Niederlanden zu absolvieren. Das Maynooth College wurde 1795 als Priesterseminar gegründet und war um 1850 das größte Priesterseminar der Welt. Im Laufe seiner Geschichte hat es mehr als 11.000 Priester geweiht. Bloß keine revolutionären Gedanken in Irland Die Französische Revolution in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts erschütterte Europa zutiefst. Die irischen Bischöfe befürchteten, dass die auf dem Kontinent studierenden Priester von den Idealen der Revolution beeinflusst werden könnten, und baten die britische Regierung - die Irland zu dieser Zeit besetzt hielt - diese Ausbildung in Irland zuzulassen. Großbritannien, das sich im Krieg mit Frankreich befand, war bestrebt, die irisch-katholische Unzufriedenheit zu beschwichtigen und stimmte zu. Das ehrgeizige Projekt wurde dann über die Priesterstudenten hinaus auf katholische Laien ausgedehnt, und 1795 wurde das Maynooth College gegründet. Zu den ersten Mitarbeitern gehörten mehrere französische Gelehrte, die vor der Revolution geflohen waren. In den 1820er Jahren dominierten die Maynooth-Priester den irischen Klerus und bildeten das Rückgrat der Kampagne von Daniel O'Connell für die katholische Emanzipation. Nach der Auflösung der irischen Kirche im Jahr 1871 erlangte das St. Patrick's College seine Unabhängigkeit, und gegen Ende des Jahrhunderts wandelte es sich erneut und wurde zu einer Päpstlichen Universität. Was das Personal und die Studenten betrifft, so hat das St. Patrick's College einen berühmten Ehemaligen. Pater Nicholas Joseph Callan aus der Grafschaft Louth war hier ab 1834 Professor für Naturphilosophie, ist aber vor allem für seine Arbeit an der Induktionsspule bekannt - eine Art elektrischer Transformator, der Hochspannungsimpulse aus einer Niederspannungs-Gleichstromversorgung erzeugt. Zwischen den 1880er und 1920er Jahren wurde sie in Röntgenapparaten, Funkenstrecken-Radiosendern und Bogenlampen eingesetzt. Das National Science Museum, das sich ebenfalls auf dem Campus befindet, beherbergt Artefakte aus Callans Forschung. Darüber hinaus sind auch nichtwissenschaftliche Gegenstände ausgestellt, darunter von Kaiserin Elisabeth von Österreich geschenkte Gewänder und die Totenmaske von Daniel O'Connell. Zu den früheren Lehrkräften des Colleges gehören der Dramatiker Frank McGuinness, der Englisch unterrichtete, und Éamon de Valera, der ehemalige Präsident Irlands, übrigens auch ein recht passabler Rugby-Spieler, der 1912 Mathematik und mathematische Physik unterrichtete - und vier Jahre später nach dem Aufstand hierher flüchtete. Zu den ehemaligen Studenten gehört der Nobelpreisträger John Hume.
- Mini-Serie: Alles, was man über das "original" irische Halloween wissen muss #3
Kleine und große Gespenster, Zombies und Hexen feiern Halloween. Schon lange ist das irische Fest auch in Deutschland angekommen, doch viele Bräuche, die mit dem irischen "Original"-Halloween verbunden sind, kennen viele noch gar nicht. Zeit also, um in einer kurzen Serie zu klären, was an schönen Traditionen mit dem "richtigen" irischen Halloween verbunden ist, siehe #1. Wir machen dabei auch einen kleinen Schlenker zu den Mythen und Fakten über den Ursprung dieses Festes. Ist Halloween wirklich ein keltisches Fest? Siehe #2 der Miniserie. Heute stellen wir Euch einige der gruseligsten Halloween-Events, aber auch familientaugliche Optionen in Irland vor. *Alle Illustrationen von Omenomicon Zu Samhain, in der Zeit "zwischen den Jahren" oder "im Übergang" wurden die normalerweise recht stabilen Grenzen zwischen der Anderswelt und der Menschenwelt unsicherer, so dass Puka, Banshees, Feen und andere Geister Irlands recht frei kommen und gehen konnten. Um das Böse abzuwehren, das an Samhain freigesetzt wurde, sollen die Menschen riesige Lagerfeuer angezündet haben. Man trug hässliche Masken und Verkleidungen, um die Geister zu verwirren und um zu verhindern, dass die Toten Personen wiedererkennen, die ihnen zu Lebzeiten missfallen hatten. Es wurde auch absichtlich viel Lärm gemacht, um die Geister zu verunsichern und sie aus ihren Häusern zu vertreiben. Die Ängstlichen hingegen ließen in ihren Häusern oder am nächstgelegenen Weißdornbusch (in dem bekanntermaßen Feen lebten) Lebensmittel zurück, in der Hoffnung, dass ihre Großzügigkeit die Geister besänftigen würde. Soviel nochmal zum Hintergrund des ganzen "Halloween-Spuks". Wo lässt es sich am besten gruseln? Die größte Halloween-Party in Europa findet in Nordirland statt. Wo genau? Na, in der Stadt, die angeblich die höchste Nachtclub- und Kneipendichte Irlands hat: In Derry, Nordirland. Derry ist so etwas wie das Köln von Irland – hier wird gefeiert, bis der Arzt kommt. Wer sich so richtig gruseln möchte, macht sich auf zum Derry Halloween-Carnival! Dort ist alles zu finden, was einem die Haare zu Berge stehen lässt: Jack-o‘-lantern-Wettbewerbe mit traditionellem Rübenschnitzen oder eine große finale Grusel-Halloween-Parade. Hier Eindrücke von 2022. Egal, ob Du nur ein Vampir auf der Durchreise bist, oder deine blutsaugenden Verwandten besuchen möchtest: Das Dubliner Bram Stoker Festival hat Einiges zu bieten. Vier Tage und vor allem vier Nächte lang lauern tödliche Abenteuer in gotisch-dunklem Ambiente. Das Festival findet immer am Vorabend von Halloween während des Oktober-Feiertagswochenendes statt. Hier Eindrücke von 2022: Andere wiederum zieht es zu Halloween ins County Meath auf den Tlachtga Hügel. Dort, auf dem Hill of Ward, zwischen den Dörfern Athboy und Ráth Cairn, habe Samhain seinen Ursprung, meint der irische Historiker Seathrún Céitinn in seinem 1643 vollendeten Foras feasa ar Éirinn, einer Art Geschichtswerk über Irland. Hier "kamen an Samhain die Priester, Auguren und Druiden Irlands zusammen, um die Opfer an ihre heidnischen Götter anzunehmen", so Céitinn. Im Detail heißt es bei ihm weiter, sie entzündeten ein riesiges Feuer auf dem Hügel. Alle anderen Feuer im Königreich Mide – dem „Mittelreich“, zu dem damals die heutige Grafschaft Meath und die Gegend im Umkreis von Dublin gehörten – mussten gelöscht und neu entzündet werden, mit einer Flamme des großen Feuers von Tlachtga. Der Brauch war Gesetz, wer dagegen verstieß, hatte mit einer Strafe zu rechnen. Tatsächlich fanden Archäologen Spuren dieser gigantischen Feuer auf dem Hill of Ward. Dort kann man also eine besonders intensive Nähe zwischen dieser Welt und der Anderswelt fühlen. Meath beansprucht somit für sich der Ursprungsort des Halloween-Festes zu sein und bietet angehenden Druiden das volle Samhain-Kontrastprogramm. Keine Angst, heutzutage werden keine Menschenopfer dargebracht, aber das Puca Festival ist eine der besten Halloween-Veranstaltungen, die Irland zu bieten hat. Hier Eindrücke von 2022: Wer in Dublin ist oder bleiben möchte - kein Problem. Auch hier öffnen sich die Pforten der Hölle, verwandelt sich die Hauptstadt in ein schaurig-schönes Kürbis- und Geisterwunderland, das einem Schauer über den Rücken jagen wird! Wie wäre es mit dem International Halloween Festival ein Halloween-Erlebnis zusammen mit dem internationalsten Publikum in einem Club in Dublin. Weitere Info hier: https://www.facebook.com/events/258992710058106 Dublin bietet auch schaurige Bustouren an: https://www.hiddendublintours.com/tours/haunted-history-tour/ https://www.hiddendublintours.com/tours/gravedigger-ghost-tour/ https://www.hiddendublintours.com/tours/northside-ghost-walk/ Oder wie wär's mit der Rocky Horror Picture Show in Dublin? In Kildare kann man im Lullymore Heritage Park mit einem Terror Train fahren und man muss sich auf Zombie-Attacken gefasst machen. Halloween ist die perfekte Zeit, um gemeinsam mit der Familie Spaß zu haben, hier ein paar Ideen Gruselige leuchtende Geister und Spinnen selber machen. In einem Workshop für 7 bis 10-jährige zeigt die Künstlerin Megan Scott, wie's geht. Der Colin Glen Forest Park am Rande von Belfast verwandelt sich zu Halloween in einen gruseligen Ort mit einem tollen Veranstaltungsprogramm für Familien. Vom 23. bis 31. Oktober können Kinder aller Altersgruppen den Halloween Guided Gruffalo Walk und den brillanten SKYTrek by Starlight genießen. Weitere Infos hier. Der Nore Valley Farm Park in der Grafschaft Kilkenny ist ein tolles Ausflugsziel für alle Tierliebhaber. Zu Halloween wird ein fantastisches Veranstaltungsprogramm für Familien mit Kindern ab 0 Jahren angeboten. Freut Euch auf eine Schatzsuche im Fackelschein, auf Lagerfeuer, Marshmallow-Rösten und ein gruseliges Labyrinth! Der Tayto Park in der Grafschaft Meath ist eine der beliebtesten Familienattraktionen im Osten Irlands. Wie wäre es mit "Tayto Park After Dark" und "Tayto Park Tricky Trail"? Das Nightmare Realm, Irlands größter Indoor-Schreckenpark hat zahlreiche Preise für sein schauriges Treiben gewonnen. Empfohlen für Besucher ab 13 Jahren - nichts für schwache Nerven. Lust auf Gruseln im Bus? Der Dublin Ghostbus für Kinder könnte ein unvergessliches Abenteuer werden. Gemeinsam kann die dunkle Seite Dublins entdeckt werden. Hört euch die Geschichte von Mad William und seiner Vorliebe für menschliche Gehirne an. Erfahrt alles über die erschreckende Geschichte des Misery Hill und die gruseligen Geheimnisse der Dublin Bodysnatchers. Die Ghostbus Tour für Kinder (mit Dr. Ghastly) richtet sich an Kinder im Alter von 7-14 Jahren. Der nächste Punkt auf unserer Liste der besten Halloween-Veranstaltungen ist das legendäre Halloween-Programm des Crumlin Road Gaol in Nordirland. Mit Veranstaltungen, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet sind, lässt sich hier eine Menge Grusel erwarten. Von einer spukhaften Gefängnisführung über Kürbisschnitzen und Geistererscheinungen bis hin zu paranormalen Aktivitäten. Luggwoods liegt etwas außerhalb von Dublin und bietet eine sichere Umgebung für die ganze Familie, um eine Nacht voller Halloween-Spaß zu erleben. Auf dem gruseligen Waldpfad muss man nach Zutaten für ein Hexengebräu suchen und es gibt Extrapunkte für das beste Kostüm. Voranmeldung wird empfohlen. Farmaphobia wird als "vier erschreckende Spukhäuser, die sich über 100 Hektar des Schreckens erstrecken" beschrieben und könnte auch ganz oben auf der Halloween-Liste stehen. Farmaphobie ist für Jugendliche und Erwachsene geeignet und bietet alles von einem Spukhauspfad bis hin zu einem Spukkarneval. Böse Geister sind im Überfluss vorhanden, also macht Euch bereit! Die vorgestellten Events sind natürlich nur ein Ausschnitt dessen, was man an Halloween alles unternehmen kann. Welche Veranstaltung fehlt Euch hier? Was sollte ich beim nächsten Mal noch vorstellen? Ich freue mich über weitere Hinweise! :-) Und wer zu Halloween nicht auf die irische Insel kommen kann, macht nix - Halloween kann man auch prima und sehr irisch zu Hause feiern. Backt Barmbrack, esst zum Abend Colcannon, spielt Apfel-Schnappen - alles was Ihr braucht, findet Ihr hier! Allen kleinen und großen Hexen, Skeletten, Gespenstern und Vampiren ein schaurig-schönes Halloween!
- Mini-Serie: Alles, über das "original" irische Halloween - #2
Bald öffnen sich wieder die Pforten der Hölle. Kleine und große Gespenster, Zombies und Hexen feiern Halloween. Schon lange ist das irische Fest auch in Deutschland angekommen, doch was ist dran, an der Behauptung, Halloween sei ein uraltes keltisches Fest? Wir machen heute einen kleinen Schlenker zu den Mythen und Fakten über den Ursprung dieses Festes. Lassen wir uns überraschen! Halloween, das ist für Kontinentaleuropäer eine Art Herbstkarneval vom Feinsten. Das Wort Halloween (eigentlich Hallowe’en) benennt den Tag vor Allerheiligen (All Hallows‘ Eve). Halloween sei ein keltisches Fest, heißt es. Dem kann getrost widersprochen werden. Eher könnte schon etwas dran sein, dass Halloween auf das keltische Fest Samhain (gesprochen Sow-een) zurückgeht. Fakt ist, was Keltenfans und die irische Tourismusbehörde erfreut, ist unter Historikern durchaus umstritten. Was man mit Sicherheit sagen kann: Das Fest zelebriert das Ende des Sommers und heißt den Winter willkommen. *Alle Illustrationen von Omenomicon Was Hallowe’een in Deutschland mit dem Irak-Krieg zu tun hat Bevor wir zum eigentlichen, bislang historisch gesicherten Ursprung des irischsten aller irischen Bräuche kommen, sei noch erwähnt, dass Halloween neben Karneval in Deutschland mittlerweile zum wichtigsten Ereignis für die Kostümhersteller geworden ist. Bereits 2005 bezifferte der einschlägige Fachverband den auf Halloween bezogenen Umsatz mit Karnevalsartikeln auf rund 20 Millionen Euro mit jährlichen Steigerungsraten von 20 Prozent. Und alles nur, weil 1991 wegen des Irak-Kriegs der Karneval ausgefallen war. Die Karnevalsbranche – angesichts der dadurch verursachten Umsatzeinbußen – startete einen PR-Feldzug für das Thema Halloween. Höchst erfolgreich wie man heute weiß. Inzwischen gibt es kein Halten mehr. Kürbis-Lichterketten, Kerzenhalter und Tassen in Kürbisform. Hexen- und Totenschädeltassen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jaysus - was ist nur aus dem irischen Hallowe’een geworden? Halloween ist auch in den USA ein gigantisches kommerzielles Ereignis. Fernsehserien wie die "Simpsons" oder "South Park" produzieren eigens für diesen Tag Halloween-Specials und im Kino starten die neuesten Horrorfilme. Geisterbahnen, Spukhäuser und verwunschene Waldpfade öffnen teilweise nur für diese Zeit, Süßigkeiten-Produzenten und Kostümhersteller schreiben Umsatzrekorde. Wie schade, denn Hallowe'en galt in Irland als eine Zeit, in der sich die Gemeinschaft auf den kommenden Winter vorbereitete. Das Jahr war fast vorbei, die Nächte wurden länger, und es war die Zeit, in der man glaubte, dass die Verstorbenen zurückkehren durften, um ihre Lieben zu besuchen. In Irland gingen Kinder traditionell von Tür zu Tür und trugen die Kurzfassung alter, irischer Reime vor. Noch in den 1970er Jahren zogen Kindergruppen kilometerweit durch die irischen Gemeinden, um Reime aufzusagen, Lieder zu singen, an den Türen zu musizieren und dafür Geld, Nüsse, Süßigkeiten, eine Scheibe Barmbrack (Rezept siehe hier) und Lob zu bekommen. Mitte des 19. Jahrhunderts verließen viele Iren aufgrund von Hungersnöten ihre Heimat und wanderten in die USA aus. Ihr Halloween-Fest nahmen sie einfach mit. Höhlten sie in Irland noch Zuckerrüben aus, um der Legende vom Hufschmied Jack/ Jack O‘Lantern gerecht zu werden, der mit einer von innen beleuchteten Rübe umherirrte, nahmen sie jetzt ersatzweise Kürbis, um ihr Haus zu dekorieren. Das Halloween-Fest änderte sich in den USA mit der Zeit. Das, was wir heute als Halloween erleben, ist teilweise die re-importierte US-Version. Und so werden sich Alt und jung wieder stundenlang kostümieren und schminken, nur, um danach möglichst tot auszusehen. 😉 Andere verrammeln vielleicht panisch die Tür und stellen sich tot, wenn's klingelt, weil sie vergessen haben, Süßigkeiten zu kaufen und die Monster, Zombies, Skelette, Vampire, Hexen und andere schauerliche Gestalten vor der Tür sehr energisch Süßes fordern, damit es nichts Saures gibt. Wie bitte? Halloween soll gar nichts mit uralten keltischen Wurzeln zu tun haben? In der Tat sind die Ursprünge bei Historikern umstritten. Halloween gehört indirekt zu den ältesten Traditionen der Welt, da es ein wesentliches Element der menschlichen Existenz berührt: die Beziehung zwischen den Lebenden und den Toten. Der Brauch hat sich aus alten Ritualen entwickelt, die den Übergang vom Sommer zum Winter markieren, wodurch er mit der Verwandlung in Verbindung gebracht wird, die immer noch ein zentrales Thema des Festes ist. In Ländern auf der ganzen Welt wird eine Art Halloween heute in der einen oder anderen Form gefeiert, vom mexikanischen Tag der Toten bis zum chinesischen Grabfegertag. Lange Zeit hieß es, Halloween gehe auf rund 2000 Jahre alte keltische Wurzeln zurück. Das ist allerdings umstritten, siehe https://web.archive.org/web/20140317122059/http://search.salzburg.com/display/SNZ41-2922809130.10.2010 und siehe auch „Kontroversen um die Kontinuitätshypothese“ Halloween und Samhain Die frühere Forschung vermutet den ältesten Hinweis auf das Samhain-Fest im schwer zu deutenden Kalender von Coligny aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., dort als ein Fest des Sommerendes (keltisch samos, gälisch samhuinn für „Sommer“), oder zurückgehend auf das irogälische Wort für Versammlung, samain. Diese Vermutung wird wissenschaftlich nicht mehr vertreten. Ein angeblicher Totengott Samhain ist historisch nicht nachweisbar. Erst in deutlich späteren, mittelalterlichen Schriften über die Gebräuche der Kelten wird auf einen Bezug zum Totenreich hingewiesen. Diese sind bereits intensiv christlich beeinflusst (siehe auch Keltomanie). Im Laufe der Zeit wurde zwar immer wieder behauptet, Samhain sei der keltische Gott der Toten und Halloween sein Fest, doch dieser Irrtum soll auf den britischen Ingenieur Charles Vallancey aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen, der mit mangelnden Kenntnissen der Kultur und Sprache über das Samhain-Fest schrieb. Seitdem wird diese Idee gerne wiederholt. Tatsächlich hatte die Kirche ein großes Interesse daran, die heidnischen Traditionen zu christianisieren. Wechsel der Jahreszeiten - von der Dunkelheit ins Licht Für unsere heidnischen Vorfahren markierte die Zeit, in der die Ernte abgeschlossen und das Vieh hereingebracht wurde wohl auch den letzten Tag des Jahres. In jenen alten Zeiten war der Winterbeginn - die Zeit der langen Nächte – gleichzeitig der Übergang zum neuen Jahr. Über die Rituale des Samhain ist de facto nur sehr wenig bekannt, da es - wie viele heidnische Feste - von der Kirche christianisiert wurde. Die verfügbaren Informationen stammen von irischen Mönchen, die die vorchristliche Geschichte ihres Volkes aufzeichneten, sowie von anderen christlichen Schriftgelehrten, die heidnische Riten verunglimpften. Es scheint jedoch so zu sein, dass zu den Festen das Anlegen von Vorräten für den Winter, das Schlachten von Vieh und das Entsorgen der Knochen in "Knochenfeuern" gehörte, die im Laufe der Zeit als Freudenfeuer bekannt wurden. Während dieser Zeit versammelten sich die Gemeinschaften zum Schlemmen und Trinken. Der Übergang zum neuen Jahr wurde am 1. November gefeiert, wobei die Feierlichkeiten mit dem Sonnenuntergang am Vortag begannen. Der 1. November, Samhain, soll einer der vier wichtigen jahreszeitlichen Kreuzviertel-Tage im Jahresrad gewesen sein. Die anderen Kreuzvierteltage sind Imbolc, Lammas/Lughnasadh und Beltane. In der Nacht wurden die Flammen alter Feuer gelöscht und neue Feuer als Symbol der Wiedergeburt entzündet. Es war auch die Zeit, in der die Schleier zwischen den Toten und den Lebenden am dünnsten waren und die Seelen von geliebten Menschen wieder zurückkehren konnten. Nach heidnischem Glauben kehrten an diesem Tag die Seelen der Toten in ihre irdischen Häuser zurück, und die Geister konnten das Jenseits verlassen und von den Menschen gesehen werden. Dies ist der Tag, den wir als Halloween kennen, ein Tag, den viele Iren mit dem Verzehr des traditionellen Barmbracks feiern. Halloween wird auch heute noch mit voller Kraft gefeiert. An vielen Orten, nicht nur in Derry und Dublin kennt das Gruseln kein Halten mehr. Daher folgt #3 der Miniserie: Wo gibt’s die schauerlichsten Halloween Parties? Wer mehr über die Maskierungen, Traditionen und Hintergründe von Halloween erfahren möchte, wird hier im Nationalmuseum von Irland fündig. Und hier geht's zur Folge 1 der Halloween-Mini-Serie. Quellen: https://web.archive.org/web/20140317122059/http:/search.salzburg.com/display/SNZ41-2922809130.10.2010 https://en.wikipedia.org/wiki/Quarter_days
- Mini-Serie: Alles über das "original" irische Halloween - #1
Bald öffnen sich wieder die Pforten der Hölle. Kleine und große Gespenster, Zombies und Hexen feiern Halloween. Schon lange ist das irische Fest auch in Deutschland angekommen, doch viele Bräuche, die mit dem irischen "Original"-Halloween verbunden sind, kennen viele noch gar nicht. Zeit also, um in einer kurzen Serie nicht nur die gruseligsten Halloween-Events in Irland vorzustellen, sondern auch zu klären, was an schönen Traditionen mit dem "richtigen" irischen Halloween verbunden ist. Wir machen dabei auch einen kleinen Schlenker zu den Mythen und Fakten über den Ursprung dieses Festes. Ist Halloween wirklich ein keltisches Fest? Genau diesen Punkt schauen wir uns auch einmal genauer an. ;-) *Alle Illustrationen von Omenomicon Was spielt man in Irland zu Halloween? Sehr beliebt sind Spiele, die vorzugsweise an Halloween gespielt werden, wie Apple on a string, auch Collision course oder Accident and Emergency genannt. Dazu wird ein Apfel an einem Faden über die Tür gehangen. Die Spieler dürfen ihre Hände nicht benutzen, müssen aber versuchen, in den Apfel zu beißen. Meistens befindet sich der Apfel auf ewiger Umlaufbahn um den Kopf des Spielers – zur Erheiterung der gerade pausierenden Mitspieler. Eine andere Variante heißt "Snap" (irisch Sciob). Ein Apfel oder mehrere schwimmen in einer Schüssel mit Wasser, die bspw. auf dem Boden steht. Dann gilt es, im Knien und mit auf dem Rücken gefesselten Händen, den Apfel mit den Zähnen zu fangen. Manchmal wird auch eine Münze hineingeworfen, und derjenige, dem es gelingt, die Münze in den Mund zu nehmen - was äußerst schwierig ist - darf sie behalten. Von Äpfeln und Pookas Äpfel spielen zu Halloween eine besondere Rolle. Man glaubte, dass Pookas (puca/ Kobold/ Fee) auf alle nicht geernteten Äpfel spucken, um sie ungenießbar zu machen. Pookas sind geisterhafte Feenwesen, die insbesondere in der keltischen Folklore und in den Märchen Irlands vorkommen. Ähnliche Feenwesen finden sich auch in der Mythologie Schottlands, in Wales, Cornwall, den Kanalinseln und der Bretagne. Oft wird der Pooka für einen Tiergeist gehalten. Der Name soll von Poc abgeleitet sein, was auf Irisch "Ziege" bedeutet. Pooka kann auch ein Wechselbalg sein, das eine tierische oder menschliche Gestalt annehmen kann, also als Pferd, Esel, Hund, oder als ein junger Mann oder sogar eine üppige junge Frau. Der tierische Pooka ist normalerweise tiefschwarz und hat feurige goldene oder rote Augen. Manche assoziieren es mit dem Teufel! Die Berge und Hügel sind die Domäne dieser Kreatur. Je nachdem, in welchem Teil Irlands man lebte, wurde Pooka als hilfreich oder bedrohlich angesehen. Traditionell wurden/ werden zu Halloween viele Wahrsagespiele gespielt, unter anderem legte man Nüsse auf eine Schaufel und röstete sie über dem Feuer. Je nachdem, in welche Richtung die ersten Nüsse sprangen, wurde dem eine Bedeutung gegeben. Was isst man traditionell in Irland zu Halloween? In Irland gibt es zu Halloween auch ganz besondere Gerichte und Leckereien. Barmbrack ist so eine Leckerei. Eine Art Rosinen,- bzw. Früchtebrot, in das verschiedene Dinge eingebacken werden. Wer beispielsweise einen Ring findet, wird in naher Zukunft heiraten; eine Münze soll ein erfolgreiches (reiches) Jahr verheißen und ein Stück Zweig Streit oder eine unglückliche Ehe. Diese köstliche irische Leckerei ist ein Cousin des walisischen Bara Brith. Manchmal wurde auch ein Stück Stoff (verheißt harte Zeiten) oder eine Erbse (Finder wird in dem betreffenden Jahr nicht heiraten) mit eingebacken; ein eingebackener kleiner Ast deutet auf eine unglückliche Ehe. Heutzutage ist von all diesen Dingen oft nur noch der Ring übrig geblieben. Wie auch immer - getoastet und mit reichlich Butter bestrichen ist Barmbrack absolut köstlich. Aufgrund seiner Zusammensetzung hält es sich nach dem Backen gut zehn Tage lang. Hier ein traditionelles irisches Barmbrack-Rezept (es gibt natürlich zahlreiche Varianten) 175 g Rosinen 175 g Sultaninen 100 g Johannisbeeren 50 g gemischtes Zitronat/Orangeat 1 Tasse starker schwarzer Tee 3 Esslöffel irischer Whiskey (wahlweise) 450 g Mehl 7g Trockenhefe 1 Tasse/250ml Milch (lauwarm) 1 gestrichener Teelöffel gemahlener Zimt 1 gestrichener Teelöffel gemahlene Muskatnuss 75 g weiche Butter 75 g Streuzucker 1 Ei - verquirlt Am Vorabend Rosinen, Sultaninen, Johannisbeeren, gemischtes Orangeat, starken Schwarztee und ggf. Whiskey in eine Schüssel geben und über Nacht ziehen lassen. Kastenform einfetten. Das Mehl in eine "warme" Schüssel sieben. Dann die Hefe, Zimt, Muskatnuss und Zucker einrühren. In eine Vertiefung die lauwarme Milch gießen. Darauf achten, dass die Milch nicht zu heiß ist, da sie sonst die Hefe abtötet. Das verquirlte Ei hinzugeben und alles zu einem festen Teig verarbeiten. Die abgedeckte Schüssel mit dem Teig mindestens eine Stunde lang an einem warmen Ort stehen und den Teig "gehen" lassen, bis er etwa doppelt so groß ist. Dann den Teig auf eine leicht bemehlte Fläche geben und nach und nach die Butter und die eingeweichten Früchte einarbeiten. Das ist auch der Zeitpunkt, um Kleinigkeiten, wie z. B. einen Ring, Erbse etx. hinzuzufügen, wobei darauf zu achten ist, dass diese Dinge in Pergamentpapier eingewickelt und gleichmäßig im Teig verteilt sind. Backofen auf 200°C/ Gas Stufe 6 vorheizen. Den Teig weitere 20 Minuten gehen lassen. Dann in der Backform ca. 50 Minuten lang backen, bis er goldbraun ist. Colcannon Man sagt, dass Essen der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes ist. In Irland nahm man das, vor allem zu Halloween, wörtlich. Manche tun das immer noch. Das Gericht Colcannon gilt als der Schlüssel zum Erfolg für alleinstehende Frauen auf der Suche nach einem Ehemann. Die Rezepte für dieses Kartoffelbrei-Gericht wurden und werden von Generation zu Generation weitergegeben, wobei auch diesem Gericht alles Mögliche hinzugefügt wurde, von Ringen (Ehe) über Fingerhüte (Jungfernschaft) bis hin zu Münzen (Reichtum). Der Legende nach steckten früher unverheiratete Frauen den ersten und letzten Löffel ihres Colcannon in eine Socke und hängten diese an die Tür. Der erste Mann, der durch die Tür kam, soll dann ihr Ehemann sein. Andere erzählen, dass unverheiratete Frauen mit verbundenen Augen in ihren Garten gingen, um den Kohl für ihren Colcannon zu pflücken. Das Gericht wurde mit dem ausgewählten Kohl zubereitet und mit einem Ring versehen. Die Frau, die als erste den Ring in ihrer Portion fand, würde auch als erste heiraten. Hier das Rezept für Colcannon . Zum Abschluss noch die Geschichte von Jack O'Lantern Vor langer Zeit lebte in Irland Jack Oldfield, ein zwielichtiger Hufschmied, auch Stingy Jack (geiziger Jack) oder Drunk Jack (trunksüchtiger Jack) genannt. Am Abend vor Allerheiligen sitzt Jack nun in seinem Dorf in einer Kneipe, als plötzlich der Teufel neben ihm steht, um ihn zu holen. Jack bietet ihm für einen letzten Drink seine Seele an. Der Teufel möchte ihm diesen letzten Drink spendieren, hat aber, er ist ja kein Mensch, kein Geld dabei. So verwandelt sich der Teufel notgedrungen selbst in eine Sixpence-Münze, um den Wirt zu bezahlen. Jack aber steckt die Münze schnell in seinen Geldbeutel. Dummerweise befindet sich in Jacks Geldbeutel auch ein silbernes Kreuz, was dem Teufel erstens kein Pläsier bereitet und zweitens verhindert, dass sich der Teufel wieder zurück verwandeln kann. Jack nutzt die Gunst der Stunde und verhandelt mit dem Teufel: Er werde ihn freilassen, wenn er Jacks Seele verschone. Ab hier gibt es zahlreiche Varianten, wie es mit Jack und dem Teufel weitergeht – kommen wir daher einfach zum Ende und zur Erklärung für den Kürbiswahn zu Halloween. Als Jack viele Jahre später stirbt, bittet er im Himmel um Einlass. Da er in seinem Leben nicht gerade ein braver Mann gewesen ist, wird er abgewiesen und vor die Höllentore geschickt. Aber auch dort will man diesen üblen Zeitgenossen nicht haben; außerdem steht der Teufel ja noch bei Jack im Wort. Der Teufel schickt ihn also zurück, woher er gekommen ist – und weil es so dunkel, kalt und windig und der Weg so weit ist, bekommt der Teufel sogar Mitleid und schenkt Jack eine glühende Kohle direkt aus dem Höllenfeuer. Jack steckt die Kohle in eine ausgehöhlte Rübe, die er als Wegzehrung mitgenommen hatte. Seitdem wandelt Jacks verdammte Seele mit der Laterne am Vorabend von Allerheiligen, an Halloween, durch die Dunkelheit, und ein Stück Kohle in einer ausgehöhlten Rübe – in den USA wurde daraus ein Kürbis – soll den Teufel und alle anderen Geister davon abhalten, einen zu holen.